størpunkt Themed competition 2017 – Flight into unknown

Die Galerie størpunkt, unter der Leitung von Stephan Stumpf, ist in München unter anderem für ihre jährliche „Themed competition“ bekannt. Im Rahmen eines offenen Kunstwettbewerbes  werden 10 Künstler/innen ausgesucht, welche einen Monat lang in der Galerie ausgestellt werden. Das Thema dieses Jahres ist (wie kann es auch anders sein) die Flucht. „Welche Spuren hinterlassen Grenzüberschreitungen und Heimatverlust sowie die derzeit geführte Flüchtlingsdebatte in der zeitgenössischen Kunst?“ – Zitat størpunkt. Die Auseinandersetzung der Künstler/innen mit dem Thema kann vom 20.01.2017 bis zum 24.02.2017 in der Galerie betrachtet werden.

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MarinA – A.M. A Matter of balnce between A and M – 2016.
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MarinA – AM. A Matter of balance between A and M – 2016

Ein lautes unangenehmes, schabendes Geräusch, beige Kleidung und Frauen in barfuß. Die Vernissage wird von einer Performance des Künstlerinnen Duos MarinA eröffnet. Zwei Frauen stehen auf jeweils zwei hölzernen Böcken. Sie drücken sich vorwärts. Dabei entsteht ein Geräusch wie – ja wie Holz, das über rau geschliffenen Boden schabt. Nach ein paar Minuten stehen beide Frauen hintereinander nurnoch auf zwei Böcken. Gemeinsam arbeiten sie sich durch die Zuschauer Menge. Sie bleiben emotionslos, doch man kann ihre Anstrengung förmlich spüren. „A.M. A Matter of balance between A and M“ heißt ihre Performance, in der sie sich ihren mühevollen Weg durch Hindernisse bahnen. Sie stellen sich die Frage, wie viel der Mensch auf seinem Lebensweg mental, wie auch physisch aushalten kann. Der menschliche Wille wird untersucht und strapaziert.

Das erste Kunstwerk, welches uns beim Eintreten in die Galerie begegnet, ist von Fakhri Bismanto Bohang. In einer Serie unter dem Namen „More than Biometrics“ fertigt, der gebürtige Indonesier, Porträts von Geflüchteten an. Seine Bilder sollen auf den ersten Blick wie klassische biometrische Passbilder aussehen, doch auf den zweiten Blick offenbaren sich Emotionen und kleine Details, die dem Geflüchteten wieder Individualität zuschreiben.

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Fakhri Bismanto Bohang – More than biometrics – 2016
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Gemälde von Ana Pusica
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Arne Kalkbrenner – Sans-Papiers – 2016
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Frenzy Höhne – Fahne Hoch – 2016
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Dominik Bais & Rupert Jörg – Je suis refugee -2016
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Dominik Bais & Rupert Jörg – Je suis refugee – 2016

Vor allem das Konzept der Künstler Dominik Bais und Rupert Jörg beeindruckte mich. Sie bewerten analytisch drei Kunstwerke, welche sich alle mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzten. Die Werke von Ai Wei Wei, Vic Munzi und John van der Reest wurden mit Hilfe von inhaltlichen, formalen und wirtschaftlichen Faktoren untersucht und dann einzeln mit einem 5-Sternesystem bewertet. So ergeben sich unterschiedliche Punktzahlen für die einzelnen Kunstwerke, zum Beispiel je nach dem wie viele Geflüchtete zu sehen sind oder welche Farben benutzt wurden. Dem damit erreichte Durchschnittswert eines untersuchten Faktors wird ein hierarchisch bestimmter Farbwert zugeordnet. Daraus entsteht für jedes untersuchte Kunstwerk ein neues Bild mit sechs unterschiedlichen Farben, für jede untersuchte Kategorie eine. Die Farben wurden auf drei unterschiedlich wertvollen Steinen aufgetragen, um auch hier eine Hierarchie darzustellen. Ai Wei Wei ist dabei der „Gewinner“ der Analyse und wird auf dem teuersten Stein dargestellt.Die Konzeptkünstler Dominik Bais und Rupert Jörg wollen damit ironisch diskutieren, wie Künstler Profit aus dem Leid der Fliehenden schlagen und so ihren persönlichen Marktwert erhöhen.  Es erinnert mich auch an einen Spiegel unserer momentanen Gesellschaft. Alles muss analysiert und verglichen werden. Die Geflüchteten sind zu einer anonymen Masse geworden und werden nur mit Zahlen bewertet. Wie auch Bohang in seinen Werken feststellt, geht die Individualität verloren. Die Problematik hat auch Arne Kalkbrenner mit seinen sans-papiers Plastiken behandelt. Noch weitere interessante Künstler erwarten den Besucher, wie Frenzy Höhne, die sich mit dem Motiv der Flagge kritisch auseinander setzt. Doch ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen – Ein Besuch in der Galerie størpunkt lohnt sich! 🙂

Zu sehen 20.01.2017 bis 24.02.2017

Autor: Julia

Mein Name ist Julia, ich bin 23 Jahre alt und studiere Kunstgeschichte im Master an der LMU München. Ich schreibe über Kunst, Kultur, Architektur und alles was mich sonst noch interessiert.

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