Peter Lindbergh – From Fashion to Reality

Er hatte schon zahlreiche Ikonen vor seiner Linse – inzwischen ist er selbst eine Ikone.   Peter Lindbergh ist einer der renommiertesten Modefotografen der letzten 40 Jahre. Seine Bilder haben die Modebranche regelrecht revolutioniert und einen neuen Realismus in die Modefotografie eingeführt. Als Lindbergh in den 1980er Jahren begann als Fotograf zu arbeiten, war das vorherrschende Frauenbild in der Mode von viel Schminke und Schmuck geprägt. In erster Linie wurde die Mode präsentiert und die Modelle fungierten nur als „Kleiderständer“. Damit wollte er sich nicht zufrieden geben – der schöne Schein reichte ihm nicht. Für Lindbergh stand die Persönlichkeit des Models an erster Stelle, die Kleider wurden nebensächlich in seinen Bildern. Es war mehr das Gefühl, welches beim Tragen entsteht, dass er in seinen Fotos festhält. Wie die Momentaufnahme eines flüchtigen Augenblicks wirken seine, meist schwarz-weiß gehaltenen, Fotografien. Darauf zu sehen sind starke, anmutige Charaktere, die natürlich, ungeschminkt in die Kamera blicken. Lindbergh begründete durch seine ehrlichen Porträts und berühmten Aufnahmen das  Supermodel-Phänomen der 1990-Jahre.

PeterLindbergh6
Peter Lindbergh – Amber Valletta – 1993
PeterLindbergh8
Nachbau Peter Lindberghs Atelier
PeterLindbergh2
Peter Lindbergh – From Fashion to Reality

Die Kunsthalle widmet Peter Lindbergh die Ausstellung „From Fashion to Reality“, in der  neben diesen berühmten Bildern auch bisher unveröffentlichte Fotografien, sowie zahlreiches Material aus seinem Atelier zu sehen sind. Requisiten, Storyboards, Polaroids, Kontaktabzüge und persönliche Notizen ermöglichen dem Besucher einen Einblick in Lindberghs Arbeitsweise. Kuratiert von Thierry-Maxime Loriot, der auch bereits „Jean Paul Gaultier. From the Sidewalk to the Catwalk“ inszenierte, bietet die Ausstellung einen thematischen Überblick über verschieden Einflüsse, die Lindbergh sein ganzes künstlerisches Schaffen begleiteten.

PeterLindbergh5
Kurator Thierry-Maxime Loriot (mitte)
PeterLindbergh1
Einblicke in die Dunkelkammer

Er war einer der ersten Modefotografen, der mit seinen Bildern Geschichten erzählte. Eine rein plakative Abbildung von Mode war ihm zu einseitig, er wollte die Betrachter zum Nachdenken anregen. In Anlehnung an bekannte Film-Stils der 1920er- bis 1950er Jahre spielt er mit kleinen Details, die auf bestimmte Filmklassiker hinweisen könnten. Neben seiner filmischen Ausdrucksweise bestimmt zudem das Spiel mit den weiblichen Archetypen seine Bildsprache. Der spielerische Umgang mit männlichen und weiblichen Attributen, sowie die Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Themen, sind ein wichtiger Bestandteil seiner Arbeit. Besonders ausdrucksstark sind seine von der Tanzwelt inspirierten Fotografien. Über Pina Bausch, die eine enge Freundin von Lindbergh war, drehte er sogar den Film „Pina Bausch. Der Fensterputzer“ (2001).

PeterLindbergh4
Peter Lindbergh – From Fashion to Reality
PeterLindbergh7
Peter Lindbergh – From Fashion to Reality

Auffallend sind die kleinen Zettel der Models, Schauspielerinnen und Tänzerinnen, die ihm alle für die Zusammenarbeit danken. Anscheinend ist es sehr angenehmen mit dem Fotografen zu arbeiten, der auch sympathisch und freundlich auf die Fragen in der Pressekonferenz antwortete. Ob seine Bilder Kunst sind? Darauf erwiderte Lindbergh: „Ich bin zu dem Entschluss gekommen: Es macht keinen Unterschied“.

„From Fashion to Reality“ ist bis zum 27. August in der Kunsthalle München zu sehen.

 

Autor: Julia

Mein Name ist Julia, ich bin 22 Jahre alt und studiere im schönen München Kunstgeschichte. Hier schreibe ich über Kunst, Kultur, Architektur und alles was mich sonst noch interessiert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s