Ein Besuch im Lenbachhaus

Was machen Kunstgeschichtsstudenten wenn sie nichts vor haben? Richtig, sie gehen ins Museum. Als ich seit langem mal wieder einen Tag zur freien Verfügung hatte, habe ich also meine Kommilitonin eingepackt und mit ihr den Nachmittag im Lenbachhaus verbracht. Da meine Freundin sich normalerweise eher für Kunst vor dem 20 Jahrhundert interessiert, aber ich mich hingegen mehr für zeitgenössische Kunst begeistere, ist das Lenbachhaus ein guter Kompromiss für uns beide. Die Kunst des 19 Jahrhunderts, der Blaue Reiter, eine riesige Sammlung von Joseph Beuys bis hin zu Gegenwartskunst – alles ist vertreten.

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Dietmar Tanderl – Rot-Weiß-Rot – 2008

Bevor man zu den Ausstellungsräumen „Kunst nach 1945“ gelangt,  werden die Besucher von den warmen Farben einer Lichtinstallation empfangen. Die hochkantigen Leuchten unter mattiertem Acryglas scheinen zu schweben. In regelmäßigen Intervallen wechseln die Lampen ihre Farbe von Weiß zu einem fließenden Rot – Weiß – Rot. Dadurch wirkt das Treppenhaus beruhigt und gleichzeitig erweitert. Der erste Blick in die Ausstellungsräume für Kunst ab 1945 fällt direkt auf ein Gemälde von Asger Jorn. Für die Umgestaltung alter Bilder, die er auf dem Flohmarkt fand, ist er bekannt geworden.

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Asger Jorn – Modofications, zwei Pinguine – 1962
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Rubrecht Geiger – Rotbild – 1961
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Karin Sander – Mailed Painting 155

Dem Künstler Rubrecht Geiger und der Künstlerin Karin Sander werden jeweils ein ganzer Raum gewidmet. Geigers Bilder entwickelten sich aus der russischen Landschaft zu abstrahierten, geometrischen Farbflächen. Vor allem konzentriert er sich auf die Steigerung von Farbe und Farbkontrasten. Letztendlich hat sich die Farbe vom Gegenstand emanzipiert und repräsentiert nur noch sich selbst. „Man muss der Farbe helfen sich sichtbar zu machen“ – Rubrecht Geiger. Karin Sander hingegen bearbeitet ihre Bilder nicht selbst, sondern versendet sie per Post. Unbearbeitet Leinwände werden auf die Reise geschickt, um zu einem Kunstwerk zu werden.

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Wassiliy Kandinsky – Romantische Landschaft – 1911

Natürlich darf die Sammlung „Der Blauer Reiter“ nicht fehlen. Die Zeitgenossen Wassiliy Kandinsky, Franz Mark, Paul Klee und viele Weitere sind im Lenbachhaus vertreten.

Da vor kurzem Weihnachten war, konnte ich mir einen langersehnten Wunsch erfüllen. Von nun an sind alle Bilder mit meiner neuen Systemkamera Olympus E-M10 aufgenommen. Freut euch auf mehr 🙂

The Broad Museum

Wie ein riesiger, weißer Quader thront neben der Walt Disney Concert Hall ein neues Gebäude. The Broad Museum. Meine Freunde und Familie können bezeugen wie begeistert ich von dem Museum bin, denn sie mussten mehrmals die Erzählungen und (sehr viele) Bilder über sich ergehen lassen. Es war wirklich das beste Museum in dem ich jemals war. Alles hat perfekt gepasst, die Architektur, die Lage und vor allem die Kunstwerke. Ich persönlich interessiere mich vor allem für zeitgenössische Kunst, weswegen meine Wünsche alle erfüllt wurden. Über Jeff Koons, Cindy Sherman, Andreas Gursky, Joseph Beuys bis hin zu Jean-Michel Basquiat – und vielen weiteren – sind so gut wie alle wichtigen zeitgenössische Künstler vertreten (Wer Dürer und co. sehen will, würde hier nicht glücklich werden).

The Broad Museum ist ein privates Museum für zeitgenössische Kunst in Downtown Los Angeles. Es wurde am 15.09.2015 eröffnet und enthält die Sammlung der Auftraggeber Eli und Edyth Broad. In Zusammenarbeit mit Gensler Architects entwarf und realisierte das Architekten Büro Diller Scifidio + Renfro das Bauwerk. Schon das Gebäude ist ein Kunstwerk. Die helle Fassade mit den wabenartigen, regelmäßigen Ausbuchtungen liegt wie eine Hülle über dem inneren Kern. Besonders gut kann man das am Eingang des Museum erkennen, wo die Besucher zwischen Außenfassade und Glasfront auf den Einlass warten. Im Erdgeschoss befindet sich neben der Kasse, dem Shop und der Garderobe ein geschlossener Bereich, der für temporäre Ausstellungen genutzt wird. Während meines Besuchs im September wurde dort Cindy Sherman – Imitation of Life ausgestellt.

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The Broad Museum – Vorgelagerte Fassadee
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THe Broad Museum – Auf der Rolltreppe
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The Broad Museum – Blick auf die Walt Disney Concert Hall

Eine Rolltreppe bringt die Besucher in die Dauerausstellung des Broad Museums. Schon beim hochfahren war ich überwältigt. Die gesamte obere Fläche des Gebäudes ist ein offener Raum, der nur durch Trennwände unterteilt wird. Diese Wände schließen jedoch nicht nach oben ab, weswegen ein offenes, freies Raumgefühl entsteht. Die Außenfassade schwebt über einem Quader, der komplett aus Glas besteht. Dadurch ist die gesamte Ausstellungsfläche sehr hell, was auch von den weißen Wänden unterstützt wird. Was mir außerdem sehr gefallen hat, ist die Art und Weise wie die Kunstwerke präsentiert werden. Grob sortiert nach Künstlern, hat jedes Werk genug Platz um seine Wirkung zu entfalten. Zu voll gestopfte Museen finde ich persönlich nicht gut. Über mein absolutes Highlight der Ausstellung habe ich schon einen eigenden Blogbeitrag geschrieben, doch es gab natürlich noch mehr interessante Kunstwerke zu sehen.

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Jeff Koons – Tulip, 1995 – 2005
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Ed Ruscha – Norm’s, La Cienega on Fire, 1964
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Roy Lichtenstein – Goldfish Bowl, 1977
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Sherrie Levine – Fountain (Buddha), 1996
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Jeff Koons – Rabbit, 1996

In den blanken, spiegelnden Oberflächen kommt die Fassade des Broad Museums besonders gut zur Geltung 😉

Jeff Koons – Balloon Dog (Blue)

Als ich vor ein paar Wochen das Broad Museum besuchte, wusste ich noch nichts von deren großen Jeff Koons Sammlung (Insgesamt besitzen sie 35 Werke). Ich spazierte durch die Gänge, bog links ab und vollkommen unerwartet stand auf einmal der Balloon Dog (Blue) vor mir. Jeder kennt die bunten Luftballon Hunde. Ich habe schon zahlreiche Abbildungen von ihnen gesehen. Auch gelesen hatte ich schon einiges und bis zu diesem Zeitpunkt war ich nicht besonderes fasziniert von den Balloon Dogs. Doch als er vor mir stand konnte ich meine Augen nicht mehr abwenden. Mit den Maßen 121 x 143 x 45 ist er beeindruckend groß, was von einem niedrigen Podest unterstützt wird. Die Stahloberfläche spiegelte mich und meine Umgebung wieder und mit jedem Schritt verändert sich das dabei entstehende Bild. Auch die wabenförmige Fassade des Broad Museum, die durch die Glaswände zu sehen ist, trägt ihren Teil dazu bei. Zudem war ich dann doch sehr ehrfürchtig, als ich vor einem so bekannten Kultobjekt stand. Kunstwerke im echten Leben oder nur auf Fotografien zu sehen, ist nicht vergleichbar.

Jeff Koons, der Künstler des Werkes, hat ebenfalls einen Kultstatus erlangt. Mit seinem Balloon Dog (Orange) brach er alle bisherigen Rekorde und erzielte einen Verkaufswert von über 43 Millionen Euro. Die Ballon Hunde sind Teil seiner Serie, in der er sich mit Ikonen, Ritualen, Symbole von Geburtstagsfeiern, Urlauben und dergleichen auseinandersetzt. Koons hat die Zeit angehalten und den Ballon Hund für die Ewigkeit geschaffen, indem er das Material und die Größe vollkommen verändert.

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Jeff Koons – Balloon Dog (Blue)

Insgesamt habe ich wohl ca. 25 Minuten bei dem Balloon Dog (Blue) verbracht, so sehr hat er mich beeindruckt. Ich kam mir vor als hätte ich einen Prominenten getroffen, ohne dass ich wusste ein Fan zu sein.

Cindy Sherman – Imitation of Life

Es ist kaum zu glauben, dass auf den 120 Fotografien der Ausstellung immer die selbe Person zu sehen ist. Ein Schulmädchen, eine gealterte Filmdiva, die Mutter Gottes, eine verwahrloste Frau oder eine schwarze Tänzerin, Cindy Sherman kann sich in jeden verwandeln. Vom 11.06.16 bis zum 02.10.16 konnte man im The Broad Museum, Los Angeles, nach 20 Jahren die erste große Ausstellung zu ihren Werken besuchen. Unter dem Titel „Imitation of Life“ wurde ein breites Spektrum ihrer Fotografien ausgestellt. Sherman ist bekannt für ihre Rollenspiele, bei denen sie von Medien beeinflusste, weibliche Stereotypen wiedergibt, indem sie mit Persönlichkeiten, Umgebungen und Gestalt spielt. Dabei arbeitet sie alleine in ihrem Studio und wird somit selbst zur Direktorin, Fotografin, Make-up Artist, Hairstylist und Subjekt. In ihren Arbeiten hinterfragt sie Identität, Repräsentation und die Rolle des Bildes in der zeitgenössischen Kultur. Die Ausstellung wurde von dem Gast Kurator Philipp Kaiser organisiert und legt den Schwerpunkt auf ihre Auseinandersetztung des Films und Berühmtheiten des 20 Jhd.

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Cindy Sherman – Untitled Film Stills (1977 – 1980)
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Cindy Sherman – Untitled #571

Hier könnt ihr eines ihrer neuesten Werke aus dem Jahr 2016 sehen. In Untitled 571 setzt sich Cindy Sherman als eine Schauspielerin zu Zeiten des Stummfilms in Szene. Sie kombiniert die Frau mit einem offensichtlich falschen Hintergrund, imitierter Malerei und verwendet gleichzeitig extreme digitale Effekte. Sherman benutzt in ihrer aktuellen Reihe eine neue Drucktechnik der Bilder. Die Werke sind in Farbe auf Metall gedruckt, was den Betrachter an die Aktualität erinnert, auch wenn die Motive nostalgisch wirken.

“She is one of the most important artists of our time, with a body of work that exemplifies the Pictures Generation—artists whose work came to fruition in the age of the proliferation of mass media imagery in the ‘80s, which is relevant to today’s image-saturated world,” Kurator Philipp Kaiser

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Cindy Sherman -Untitled #137
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Cindy Sherman – Untitled #216
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Cindy Sherman – Murder Mystery 1976

The Schindler House

Das Schindler Haus liegt so versteckt inmitten von hohen Bambus Sträuchern und Wohnhäusern, dass ich es zuerst übersah und noch einmal umdrehen musste. Als Rudolf Michael Schindler im Jahr 1922 den Pavillon errichtete, stand das Haus noch vollkommen frei in der Kingsroad. Folgt man dem Pfad zum Eingang des Hauses erblickt man eine grüne Oase. Umgeben von Bäumen, Sträuchern und Seerosenbeeten befindet sich eines der ersten modernen Häuser der Welt. Schindler definierte damit die Vorstellungen von öffentlich und privat, sowie innen und außen komplett neu. Außerdem entwickelte er dabei neue Maßstäbe für Design und Konstruktion in der modernen Architektur.

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Rudolf Michael Schindler – The Schindler House

Es existiert keine typischen Front Fassade, man muss das gesamte Gebäude erkunden, von innen und außen, um einen Eindruck des Konzepts zu bekommen. Schindler beschreibt seine Architektur als „Space Architectur“. Im Gegensatz zu damaligen herkömmlichen Konventionen nutze er keine Funktion, Ornamente, Struktur oder Oberfläche als Grundprinzip, sondern arbeitete mit dem Raum. Die Schiebetüren im ganzen Haus lassen sich einfach öffnen, wodurch die Grenzen zwischen draußen und drinnen verschwimmen. Ebenso wie das Gebäude werden also auch die Gärten als Wohnraum genutzt. Inspiriert von seiner Japan Reise ist das Design des Gebäudes von traditionellen japanischen Aspekten geprägt. Außerdem ließ er sich von dem Kalifornischen Klima, dem frühen europäischen Modernismus und den Pueblo Wohnungen in New Mexiko beeinflussen. Schwerer Beton wird von zerbrechlichen Rotholz ausgeglichen. Das Haus entwickelt ein ganz besonderes Raumklima.

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Rudolf Michael Schindler – The Schindler House

Eine weitere Besonderheit des Schindler Hauses sind die Schlafplätze, welche als permanente offene Räume auf dem Dach existieren (hier gut zu sehen, nur mit Holzbalken überdacht und von Pflanzen umwuchert). Von seiner Camping Erfahrung im Yosemite National Park beeinflusst, versucht Schindler das Gefühl der Freiheit einzufangen. Er hat Glück sein Haus an einem fast durchgehend warmen Ort wie Los Angeles errichtet zu haben 😉

 

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Rudolf Michael Schindler – The Schindler House
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Rudolf Michael Schindler – The Schindler House
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Rudolf Michael Schindler – The Schindler House