In Stein gemeißelt – Fabio Viale

Am liebsten würde ich es anfassen. Ein bisschen dagegen klopfen. Nur um zu sehen ob es wahr ist. Fabio Viales Skulpturen bestehen aus Marmor aber der italienische Künstler lässt seine Oberflächen einfach verblüffend authentisch erscheinen. Egal ob Holz, Gummi oder Plastik – der Künstler kreiert mit seinen Kunstwerken täuschend echte Nachbildungen von gewöhnlichen Alltagsobjekten und bekannten Statuen. Im Gegensatz zu ihrer äußeren Form sind die Proportionen der Skulpturen ganz und gar nicht realistisch. Zu sehen sind lebensgroße Dübel und fragil wirkende Obstkisten, die jedoch aus massivem Marmor bestehen und einen starken Kontrast zu den antiken Statuen in der Glyptothek bilden.

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Fabio Viale
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Fabio Viale

Inmitten der Dauerausstellung positionieren sich die unkonventionellen Marmorstatuen Viales, die die Betrachtenden zweimal hinsehen lassen. Neben seinen Alltagsgegenständen befinden sich auch Werke, deren Vorbilder sich in der Kunstgeschichte wiederfinden. Viales Venere Italica wirkt auf den ersten Blick wie eine Nachbildung des berühmten Originals von Antonio Canova, jedoch mit einem großen Unterschied – sie ist tätowiert. Über Schultern, Rücken und Gesäß spannt sich ein großes Gemälde, welches an die Tattoos der japanischen Mafia erinnert. Dabei bringt der Künstler das klassische Thema der Venus pudica, die perfekte Schönheit, die sich im Moment der Entblößung befindet, in Zusammenhang mit kriminellen Untergrundorganisationen und betrachtet somit die gesellschaftliche Stellung der Körperkunst kritisch.

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Fabio Viale

Fabio Viale, ein Künstler der Täuschung, spielt mit unseren Erwartungen und Sehgewohnheiten. Die Ausstellung “In Stein gemeißelt” ist noch bis zum 30. September in der Glyptothek zu sehen und ist einen Besuch wert für jeden, der sich gerne wundert.

WANN: bis zum 30. September 2018
WO: Glyptothek, Königsplatz 3, 80333 München

Big Sister is watching you

Neben öffentlichen Plätzen und dem Internet kann man sich nun auch in der Nir Altman Galerie observieren lassen. Noa Gur beschäftigt sich in ihrer raumgreifenden Installation “Feld” mit verschiedenen Perspektiven des Körpers im kontrollierten, überwachten Raum…

…den ganzen Text gibt es auf gallerytalk.com !

Noa Gur
Feld, 2018
Nir Altman Galerie

WANN: bis zum 04. August 2018
WO: Nir Altman Galerie, Ringseisstrasse 4, 80337 München

 

Dan Flavin – Untitled (for Ksenija)

Gerade eben war es noch kühl. Grün und blau schimmerten die Betonpfeiler im Kunstbau. Jetzt, ein paar Schritte weiter wirkt der Raum ganz anders. Rottöne verteilen sich auf den Wänden und dem Boden. Die Treppe wirkt plötzlich fliederfarben – oder doch eher rosa? Keine Angst, ich habe keine bewusstseinserweiternden Substanzen zu mir genommen. Die aktuelle Ausstellung  im Kunstbau „Untitled (for Ksenija)“ wurde von Dan Flavin entworfen, dem Meister des Lichts und das bereits 1994. Vor 24 Jahren, zur Eröffnung des Kunstbaus, gestaltet Flavin eigens dafür die Installation, welche nun erneut gezeigt wird.

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Kunstbau4.jpgInsgesamt sind vier verschiedenfarbige Lichtschienen aus Neonröhren parallel an der Decke des Ausstellungsraumes angebracht. Rot, Gelb, Blau und Grün. Flavin bedient sich dabei an den Primärfarben, die die Architektur des Raumes bespielen. Nicht nur die Wände, der Boden und die Einbauten werden dabei von dem Licht in Szene gesetzt, auch die BesucherInnen werden von den Farbprojektionen bestrahlt. Mit jedem Schritt fällt das Licht etwas anders und der gesamte räumliche Eindruck verändert sich. Zusätzlich erinnert die schienenartige Installation der Lichter an den darunter liegenden U-Bahnhof, der ebenfalls mit Neonröhren ausgestattet ist.

WANN: bis zum 30. September
WO: Kunstbau, im Zwischengeschoss des U-Bahnhofs Königsplatz, München

Ich bin wieder da!

Ein Auslandssemester in Venedig, ein dreimonatigem Praktikum in Berlin, eine Bachelorarbeit Abgabe und einem Umzug später habe ich nun endlich die Zeit gefunden eine Kleinigkeit zu schreiben. In den vergangen Monaten war einiges los in meinem Leben, worunter mein geliebter Kunst-Blog sehr gelitten hat. In sporadischen Abständen habe ich zwar immer mal wieder einen Beitrag veröffentlicht aber in den letzten vier Monaten hatte ich leider nicht einmal mehr dafür Zeit. Jeff Wall hatte mich in Beschlag genommen. Genauer gesagt sein Werk „Morning Cleaning, Mies van der Rohe Foundation, Barcelona“ aus dem Jahr 1999. Nun ist die Arbeit schon länger abgegeben, mein Bachelorstudium beendet und weil es so schön war wird im Herbst das Master Studium in Kunstgeschichte gleich angehängt.

Genug Ausreden. Ich möchte nur sagen, dass ich in Zukunft wieder öfter schreiben werde und regelmäßiger posten möchte.

Übrigens veröffentliche ich jeden Monatsanfang meine Kunst-Tipps für München auf Munich Mag!

Liebe Grüße,

Julia

(Ich hatte vor kurzem auch Geburtstag, noch ein Grund wieso ich keine Zeit hatte)

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Schuldgefühle in Gold – Monica Bonvicini in der König Galerie

Ich habe einen Artikel über die aktuelle Ausstellung „GUILT von Monica Bonvicini, die momentan in der König Galerie zu sehen ist, geschrieben. Jedoch nicht auf meinem Blog sondern auf gallerytalk.net!

Ihr findet den ganzen Beitrag hier.

WANN: Noch zu sehen bis 15. April.
WO: KÖNIG GALERIE, Alexandrinenstrasse 118-121, 10969 Berlin.

Out of Touch / Out of Time

Präzise gesetzte Kanten treffen auf schwere, tropfende Rundungen. Verzerrte Grimassen auf klare, monotone Gesichter. Unterschiedlicher könnten die Pinselstriche von Aneta Kajzer und Manuel Stehli wohl nicht sein. Auf den ersten Blick scheint in dieser Doppelausstellung nur der Schrägstrich im Titel eine Verbindungen zwischen den beiden KünstlerInnen zu schaffen. Zwei aufregende, unterschiedliche malerische Positionen treffen im Künstlerhaus Bethanien aufeinander.

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Aneta Kajzer

Kajzers Werke sprühen nur so von Energie. Man sieht es den Arbeiten förmlich an, mit welcher körperlichen Anstrengungen sie wohl entstanden sind. Es sind auffallend starke, farbliche Kontraste mit denen Kajzer experimentiert. Die Künstlerin arbeitet sich auf den großformatigen Leinwänden von einer Abstraktion zur Figuration. Aus den dicken Pinselstrichen entwickeln sich die unterschiedlichsten Motive. Eine Ballerina, ein Stiefel oder ein Gorilla, es scheinen vor allem Tiere und menschliche Attribute zu sein, die wir in den Bildern wiedererkennen können. Diese werden entstellt und verzerrt, wodurch die grotesken Arbeiten einen humorvollen Unterton bekommen.

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Manuel Stehli
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Manuel Stehli, Ohne Titel (Liegender Mann), 2017, Öl auf Leinwand, 160 x 200 cm

Im starken Kontrast zu den bunten Arbeiten von Aneta Kajzer wirken Manuel Stehlis Werke sehr ruhig, fast schon still. Alleine, zu zweit, ins Leere blickend oder abwesend – es sind immer die Menschen, die in seinen Bildern im Mittelpunkt stehen. Gedeckte Farben mit einzelnen, herausstechenden Akzenten und große, einfarbige Flächen prägen sein Oeuvre. Obwohl die dargestellten Personen immer einen Großteil der Leinwand einnehmen, wirken sie doch verloren darin. Isolation und Einsamkeit – Stichworte die einem durch den Kopf gehen, während man sich in seinen Bildern verliert. Besonders gelungen wirkt die Komposition seiner Werke im Ausstellungsraum. Unbeabsichtigt finden sich, zu seinen Bildern analoge, Farben und architektonische Strukturen im Raum wieder.

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Manuel Stehli, Ohne Titel, 2018, Öl auf Leinwand, 185 x 240 cm
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Aneta Kajzer, Ballerina, 2017, Acryl und Öl auf Leinwand, 300 x 200 cm

Doch nicht nur Differenzen, auch Gemeinsamkeiten werden bei der direkten Gegenüberstellung im Künstlerhaus Bethanien sichtbar. Der Hang zum großen Format eint die beiden malerischen Positionen allemal. Ob es daran liegt, wo die Werke entstanden sind? Kajzer und Stehli haben nämlich noch eine weitere Gemeinsamkeit – sie sind beide Stipendiaten des Förderprogramms „The Fine Art Collective“ und hatten unter anderem die Möglichkeit jeweils 6 Monate lang ein Atelier im Künstlerhaus Bethanien zu beziehen, in dem die ausgestellten Werke entstanden sind und nun auch gezeigt werden.

Bis zum 25.03.2018 im Künstlerhaus Bethanien

 

 

Old Tissues Filled with Tears – Eliza Douglas

Im Fokus stehen die Hände, vereinzelt auch ein paar Füße, doch es sind die Hände, die den oktagonalen Raum im Schinkel Pavillon einnehmen. Sie halten Gegenstände, halten sich fest, schweben im Raum und formen Bewegungen. Es sind schöne Hände, gepflegt, manikürt. Manche sind schlank, andere etwas breiter, sie tragen Ringe und eine der Hände ist tätowiert. Der Körper ist abwesend. Wie die Körper, die zu diesen Händen gehören, wohl aussehen ist unklar aber wer sie geschaffen hat ist klar. Eliza Douglas präsentiert im Schinkel Pavillon ihre erste Einzelausstellung in Berlin und beschäftigt sich, wie bereits in früheren Arbeiten mit der Darstellung von Körpern und vor allem mit dem Körper als Leerstelle. Im harten Kontrast zu den fotorealistischen Abbildungen der diversen Extremitäten befinden sich abstrahierte Formen und leichte Pinselstriche. Figurative und abstrakte Formen vermischen sich mit Fragmenten von Kleidung und Konsum. Die klassischen Kategorien der Malerei verschmelzen und verbinden sich zu etwas Neuem.

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Erstaunlich körperlich präsent ist die Künstlerin selbst in ihrer Werkreihe. Das Tattoo, ein kleiner Halbkreis unterhalb des Daumens, welches sich auf einer der Hände befindet,  ist auch auf der Hand der Künstlerin zu finden. Ebenfalls die detailgetreu gemalten Sneaker, welche unverkennbar der Marke Balenciaga zuzuordnen sind, dürften Douglas selbst gehören, wo sie doch selbst immer wieder für das Modehaus modelt. Jedoch ist sie nicht zu sehen. Die Körper sind abwesend. Es sind nur Attribute die uns auf etwas hinweisen und viel Platz für Spekulationen lassen.


Noch bis 28. Januar 2018 im Schinkel Pavillon zu sehen

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