Blaue Tiefen

Vor dem Eingang der Ausstellung hängt ein kleines Hinweisschild: “Liebe Besucherinnen und Besucher, wir möchten Sie aus Jugendschutzgründen darauf hinweisen, dass in der Ausstellung “Miriam Cahn. Ich als Mensch” sexuell explizite Darstellungen enthalten sind.” In der von Jana Baumann kuratierten Ausstellung im Haus der Kunst werden über 150 Arbeiten der Schweizer Künstlerin gezeigt, wobei vor allem eines zu erkennen ist: Je neuer die Werke, desto provokanter ihr Inhalt. Für schwache Nerven und konservative Gemüter sind Miriam Cahns (*1949) Arbeiten nicht geeignet. Das ist auch gut so, denn Kunst ist ja bekanntlich nicht dafür gemacht, zu gefallen…

… den ganzen Text gibt es auf gallerytalk.net zu lesen!

WANN: Noch zu sehen bis 27. Oktober.
WO: Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, 80538 München. 

Bildcredits: Miriam Cahn, BLAU und händehochentblösst, 2019
Ausstellungsansicht / Installation view Haus der Kunst
Foto: Jens Weber, München

Gift Horse – Hans Haacke

Monumental. Alleine dieses Adjektiv beschreibt das „Gift Horse“ von Hans Haacke perfekt in einem Wort. Monumental ist auch die Eingangshalle des Hauses der Kunst. Es gibt wohl fast keinen besseren Ort um die beeindruckende Plastik in einem musealen Kontext zu zeigen. Als das Kunstwerk 2015 in London enthüllt wurde war dessen Platz noch der Skulpturensockel „Fourth Plinth“ am Trafalgar Square. Während der Finanzkrise ein solches Kunstwerk zu enthüllen entfachte damals hitzige Debatten über nötige (oder weniger nötige) Ausgaben der Stadt, sowie auch über die sozialen und politischen Verhältnisse weltweit. Das Pferdeskelett, welches auf einer Radierung des englischen Malers Georg Stubbs basiert, wurde mit einem ekletrischen Laufschriftband versehen. Dort liefen ursprünglich minütlich aktualisierte Aktienkurse aus London, welche in Deutschland durch die Frankfurter Börse ersetzt wurde.

Gifted Horse

„Ob Gift Horse nun ein Denkmal oder ein Mahnmal ist – betrachten Sie es vielleicht einfach als meine Referenz an die City, die Wallstreet von London.“ – Hans Haacke

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Hans Haacke hat mit seinem „Gift Horse“ direkt Bezug auf ein nie ausgeführtes Reiterdenkmal genommen. Vor ungefähr 180 Jahren wollte sich König Wilhelm IV. eigentlich auf dem „Fourth Plinth“ verewigen – doch sein Vorgänger hatte bereits alles Geld aus dem Fenster geworfen. Das Zusammenspiel von Reichtum und imperialer Geschichte wird in dem Kunstwerk deshalb besonders verdeutlicht und ist eine besonders eindrucksvolle Visualisierung von Macht. Vielleicht passt es deswegen so gut in das Haus der Kunst, das ebenfalls einen geschichtsträchtigen Hintergrund besitzt. Thematisch ist das Werk immer noch top aktuell und auf alle Fälle einen kurzen Abstecher in die große Halle des Museums wert (die man auch ohne Ticket besuchen kann).

weitere Informationen

bis zum 20. August 2017 im Haus der Kunst zu sehen