Anarchie im Museum

Es ist ein Bild der Zerstörung. Eingefallene Decken, kaputte Kronleuchter und bröckelnde Wände. Hier herrscht das Chaos, das Museum wird zur Ruine. Verantwortlich dafür ist jedoch keine Naturkatastrophe oder Terrorangriff, sondern ein Künstler: Thomas Hirschhorn.

Hirschhorn hat Großes vor, er möchte das Kunstverständnis in der Institution Museum revolutionieren und ein Museum der Zukunft etablieren. “Never Give Up The Spot” heißt seine aktuelle Ausstellung in der Villa Stuck, in der er den alten Atelierbau in eine Ruinenlandschaft über drei Stockwerke verwandelt. Mit einfachen, alltäglichen Materialien gestaltete Hirschhorn ein Kunstwerk, das gleichzeitig zu einer Skulptur und zu einer Ruine wird. Auf den ersten Blick regiert hier das reine Chaos. Riesige Brocken aus Pappe, Bahnen aus Klebeband und besprühte Wände empfangen die BesucherInnen. Die reine Zerstörung ist hierbei aber nicht das Ziel….

…den ganzen Text gibt es auf gallerytalk.net zu lesen!

WANN: Die Ausstellung ist noch bis 3. Februar 2019 zu sehen.
WO: Museum Villa Stuck, Prinzregentenstr. 60, 81675 München

Zu Tränen gerührt

Detektivisch, voyeuristisch und dokumentarisch. Begriffe, die die Arbeitsweise der französischen Künstlerin Sophie Calle nur zu gut beschreiben. Im Münchner Espace Louis Vuitton wird neben einer klassischen Werkreihe aus den 80ern auch eine neuere Arbeit ausgestellt, die eine andere Herangehensweise und große Emotionen zeigt.

Zuerst wenden sie uns ihren Rücken zu, dann drehen sie sich, nach und nach, langsam um. Wehmütige, lachende und mit Tränen gefüllte Augen blicken die Betrachtenden nun direkt an. Es ist ganz still…

…den ganzen Text gibt es auf gallerytalk.net!

WANN: Die Ausstellung ist noch bis 24. Februar zu sehen.
WO: Espace Louis Vuitton, Maximilianstraße 2a, 80539 München

Foto: Sophie Calle: Voir la Mer, 2011. Exhibition view at Espace Louis Vuitton München Courtesy of the artist, Perrotin and Fondation Louis Vuitton, Photo: Louis Vuitton / Christian Kain.

In Stein gemeißelt – Fabio Viale

Am liebsten würde ich es anfassen. Ein bisschen dagegen klopfen. Nur um zu sehen ob es wahr ist. Fabio Viales Skulpturen bestehen aus Marmor aber der italienische Künstler lässt seine Oberflächen einfach verblüffend authentisch erscheinen. Egal ob Holz, Gummi oder Plastik – der Künstler kreiert mit seinen Kunstwerken täuschend echte Nachbildungen von gewöhnlichen Alltagsobjekten und bekannten Statuen. Im Gegensatz zu ihrer äußeren Form sind die Proportionen der Skulpturen ganz und gar nicht realistisch. Zu sehen sind lebensgroße Dübel und fragil wirkende Obstkisten, die jedoch aus massivem Marmor bestehen und einen starken Kontrast zu den antiken Statuen in der Glyptothek bilden.

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Fabio Viale
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Fabio Viale

Inmitten der Dauerausstellung positionieren sich die unkonventionellen Marmorstatuen Viales, die die Betrachtenden zweimal hinsehen lassen. Neben seinen Alltagsgegenständen befinden sich auch Werke, deren Vorbilder sich in der Kunstgeschichte wiederfinden. Viales Venere Italica wirkt auf den ersten Blick wie eine Nachbildung des berühmten Originals von Antonio Canova, jedoch mit einem großen Unterschied – sie ist tätowiert. Über Schultern, Rücken und Gesäß spannt sich ein großes Gemälde, welches an die Tattoos der japanischen Mafia erinnert. Dabei bringt der Künstler das klassische Thema der Venus pudica, die perfekte Schönheit, die sich im Moment der Entblößung befindet, in Zusammenhang mit kriminellen Untergrundorganisationen und betrachtet somit die gesellschaftliche Stellung der Körperkunst kritisch.

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Fabio Viale

Fabio Viale, ein Künstler der Täuschung, spielt mit unseren Erwartungen und Sehgewohnheiten. Die Ausstellung “In Stein gemeißelt” ist noch bis zum 30. September in der Glyptothek zu sehen und ist einen Besuch wert für jeden, der sich gerne wundert.

WANN: bis zum 30. September 2018
WO: Glyptothek, Königsplatz 3, 80333 München

Atelierhäuser, Architektur und Kunst

Auch abseits des Museumsareals, der Galerien und Sehenswürdigkeiten gibt es in München einiges zu entdecken. Nur woher bekommt man die Insider Tipps und Zugänge zu etwas versteckten Orten? ARCHITEKTUR UND KUNST Touren können einem da weiter helfen. Zwei Kunsthistorikerinnen und eine Architektin vereinen meine zwei Lieblings Themengebiete – Architektur und Kunst. Seit über zwei Jahren bieten die drei Expertinnen Führungen an, die das Zusammenspiel der beiden Themen genauer untersuchen. Bereits 15 Touren haben sie organisiert und in der Juli Tour 2017, die unter dem Thema „Atelierhäuser, Architektur und Kunst“ stand, durfte ich auch dabei sein.

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Atelier Rosa
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Atelier Rosa

Unser erster Halt war das Atelier Rosa. Niemals hätte ich einen solchen beeindruckenden, modernen Bau inmitten einer (sehr) ruhigen Wohngegend vermutet. Beton, Licht und Glas. Meine drei Lieblings Merkmale eines modernen Baus lassen sich hier wiederfinden – nur diese drei Merkmale. Zwei gegenüberliegende, große Glasfronten ziehen sich über die zwei Stockwerke des Gebäudes. Die restlichen Wände, sowie die Treppe und das Boden bestehen aus Beton. Beton-Minimalismus beschreibt den Raum wirklich perfekt. Das Atelier wurde zum arbeiten gebaut und wurde als Arbeit gebaut, denn der skulpturale Charakter ist sehr präsent und prägt das Gebäude – es ist ein Raumkunstwerk.

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Atelier Maria Wallenstal-Schoenberg
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Atelier Hauchun Kwong

Nachdem wir mit zwei Taxis zu unserer zweiten Station gefahren wurden, befanden wir uns vor den Domagkateliers. Hier befinden sich 95 Ateliers in einem alten Militärgebäude. Davon durften wir vier näher betrachten. Ein starkes Kontrastprogramm zu dem einsamen Atelier Rosa. Maria Wallenstal-Schoenberg, Yonbo Zhao, Hauchun Kwong und Yoshiyuki Miura haben uns den Ort ihres kreatives Arbeiten gezeigt. Intime Einblicke wurden uns geboten, als wir die einzelne Ateliers und ihre KünstlerInnen kennenlernen durften. Jeder Einzelne gestaltete und nutzt seinen Raum unterschiedlich. Teilweise ist es sehr wohnlich eingerichtet, andere Ateliers wiederum haben einen Werkstattcharakter. Die Individualität zeigt sich deutlich – auch wenn die Künstler hier vor allem die Gemeinschaft schätzen.


Weitere Informationen zu

ARCHITEKTUR UND KUNST eine Kooperation von FILOMELE, Sammlung Goetz und guiding architects munich

Im Herbst wird es weitere Führungen geben! 🙂

 

Gift Horse – Hans Haacke

Monumental. Alleine dieses Adjektiv beschreibt das „Gift Horse“ von Hans Haacke perfekt in einem Wort. Monumental ist auch die Eingangshalle des Hauses der Kunst. Es gibt wohl fast keinen besseren Ort um die beeindruckende Plastik in einem musealen Kontext zu zeigen. Als das Kunstwerk 2015 in London enthüllt wurde war dessen Platz noch der Skulpturensockel „Fourth Plinth“ am Trafalgar Square. Während der Finanzkrise ein solches Kunstwerk zu enthüllen entfachte damals hitzige Debatten über nötige (oder weniger nötige) Ausgaben der Stadt, sowie auch über die sozialen und politischen Verhältnisse weltweit. Das Pferdeskelett, welches auf einer Radierung des englischen Malers Georg Stubbs basiert, wurde mit einem ekletrischen Laufschriftband versehen. Dort liefen ursprünglich minütlich aktualisierte Aktienkurse aus London, welche in Deutschland durch die Frankfurter Börse ersetzt wurde.

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„Ob Gift Horse nun ein Denkmal oder ein Mahnmal ist – betrachten Sie es vielleicht einfach als meine Referenz an die City, die Wallstreet von London.“ – Hans Haacke

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Hans Haacke hat mit seinem „Gift Horse“ direkt Bezug auf ein nie ausgeführtes Reiterdenkmal genommen. Vor ungefähr 180 Jahren wollte sich König Wilhelm IV. eigentlich auf dem „Fourth Plinth“ verewigen – doch sein Vorgänger hatte bereits alles Geld aus dem Fenster geworfen. Das Zusammenspiel von Reichtum und imperialer Geschichte wird in dem Kunstwerk deshalb besonders verdeutlicht und ist eine besonders eindrucksvolle Visualisierung von Macht. Vielleicht passt es deswegen so gut in das Haus der Kunst, das ebenfalls einen geschichtsträchtigen Hintergrund besitzt. Thematisch ist das Werk immer noch top aktuell und auf alle Fälle einen kurzen Abstecher in die große Halle des Museums wert (die man auch ohne Ticket besuchen kann).

weitere Informationen

bis zum 20. August 2017 im Haus der Kunst zu sehen

Kunsthalle Weishaupt – Best of 10 Jahre

Einer meiner absoluten Lieblingsorte in Ulm ist die Kunsthalle Weishaupt. Danke Siegfried und Jutta Weishaupt, dass ihr eure bemerkenswerte Sammlung an einem solch schönen Ort präsentiert! Wer sich gerne in hohen, offenen Räumen aufhält und dabei interessante Kunstwerke betrachten möchte, wird sich dort ebenfalls sehr wohl fühlen. Schon seit 10 Jahren existiert der von dem Architekten Wolfram Wöhr geplante Museumsbau schon in der Neuen Mitte Ulms. Die Kunsthalle Weishaupt hat zum Anlass dieses Jubiläums die Ausstellung „Best of 10 Jahre“ kuratiert, welche seit anfang April zu sehen ist.

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Keith Haring
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Günther Uecker
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Karl Gerstner

 Die ersten Kunstwerke können bereits von der Straße aus betrachtet werden. Neben Keith Harings „Red Dog for Landois“ Skulptur, die ihren festen Platz vor der Kunsthalle hat, kann man noch eine etwas andere Version des Ulmer Münster finden. Hinter der gläsernen Frontfassade des Museums wirkt die Lichtinstallation „Ulm Ultimate Cathedral“ von Francois Morellet wie eingerahmt. Meiner Meinung nach ist es die beste Idee überhaupt, dass ein Museumsbau nicht nur nach Innen sondern auch nach Außen als Ausstellungsort fungieren kann. Der gut durchdachte, funktionale Aufbau wird auch im Inneren der Kunsthalle sichtbar. Nachdem man im Erdgeschoss seine Taschen und Jacken verstaut hat, begibt man sich auf einer tageslichtdurchfluteten, minimalistischen (meiner Meinung nach wunderschönen) Betontreppe in den ersten Stock, wo sich auch der erste Ausstellungsbreich befindet. Geometrisch – konkrete Kunst von Künstlern wie Karl Gerstner oder Victor Vasarely ist dort ausgestellt, sowie Arbeiten der Gruppe ZERO und Werke aus derem Umfeld. Auch amerikanische Kunst ab den 1950er Jahren ist in dem offenen, hellen Raumgefüge zu finden. Werke von Roy Lichtenstein, Dan Flavin und Keith Haring sind dort vertreten.

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John Chamberlain
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John Chamberlain
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Andy Warhol
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Kunsthalle Weishaupt

Auch im zweiten Obergeschoss sind international bekannte Künstler vertreten. Großformatige Werke von Andy Warhol, Robert Longo und Michel Basquiat können hier bestaunt werden. In den über 5 Jahrzehnten in denen das Ehepaar Weishaupt nun schon wertvolle Kunstwerke hortet, hat sich wirklich einiges angesammelt. Zum Glück!

weitere Informationen auf der Homepage

Village Underground – Lisboa

Niemand ist zu sehen. Etwas skeptisch laufe ich an alten Straßenbahnen, leeren Fabrikhallen und stillgelegten Maschinen vorbei. Ich bin auf der Suche nach einem ganz besonderen Kultur Projekt – dem Village Underground Lisboa. Nach wenigen Minuten habe ich mein Ziel dann doch erreicht. Vor mir türmen sich Doppeldeckerbusse und Container aufeinander. Bäume und Blumen wachsen zwischen Bänken, auf denen fröhliche, junge Menschen sitzen und essen. Vor allem die Architektur der Anlage fasziniert mich, denn die einzelnen gestapelten Container sind alle miteinander verbunden. Es ist möglich zwischen den verschiedenen Ebenen umherzuwandern, sowie kleine Pausen einzulegen und gemütlich auf der Stahltreppe zu entspannen, wo immer wieder Sitzmöglichkeiten bereit stehen. Es ist ein vernetzter, kommunikativer Ort entstanden, was sich in dem Aufbau der Anlage perfekt widerspiegelt.

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Village Underground Lisboa
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Village Underground Lisboa
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Village Underground Lisboa
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Village Underground Lisboa

Das erste Village Underground wurde 2007 in London gegründet und seit 2014  befindet sich ein zweites Projekt in Lissabon. Als internationale Plattform, die ihren Hauptsitz in Schweden hat, ist das Village ein perfekter Treffpunkt für alle kreativen, weltoffenen Leute. In den 14 Containern befinden sich zahlreiche Arbeitsplätze und Konferenzräume für professionelle kreative Köpfe, die gemietet werden können. In den beiden Doppeldeckerbussen kann dann nach der harten Arbeit gegessen und getrunken werden. Das Village bereichert nicht nur die Personen, die den multikulturellen Ort nutzen können, es bringt auch wieder Leben in ungenutzte Bereiche der Stadt und recycelt zudem ausgediente Dinge. Die Plattform dient als Raum für Ausstellungen, Theater Aufführungen oder Konzerte und bietet ein abwechslungsreiches Programm. Wenn ihr einmal in Lissabon seid, solltet ihr diesen besonderen Ort unbedingt einen Besuch abstatten (besonders schön ist dort auch der Sonnenuntergang).