Old Tissues Filled with Tears – Eliza Douglas

Im Fokus stehen die Hände, vereinzelt auch ein paar Füße, doch es sind die Hände, die den oktagonalen Raum im Schinkel Pavillon einnehmen. Sie halten Gegenstände, halten sich fest, schweben im Raum und formen Bewegungen. Es sind schöne Hände, gepflegt, manikürt. Manche sind schlank, andere etwas breiter, sie tragen Ringe und eine der Hände ist tätowiert. Der Körper ist abwesend. Wie die Körper, die zu diesen Händen gehören, wohl aussehen ist unklar aber wer sie geschaffen hat ist klar. Eliza Douglas präsentiert im Schinkel Pavillon ihre erste Einzelausstellung in Berlin und beschäftigt sich, wie bereits in früheren Arbeiten mit der Darstellung von Körpern und vor allem mit dem Körper als Leerstelle. Im harten Kontrast zu den fotorealistischen Abbildungen der diversen Extremitäten befinden sich abstrahierte Formen und leichte Pinselstriche. Figurative und abstrakte Formen vermischen sich mit Fragmenten von Kleidung und Konsum. Die klassischen Kategorien der Malerei verschmelzen und verbinden sich zu etwas Neuem.

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Erstaunlich körperlich präsent ist die Künstlerin selbst in ihrer Werkreihe. Das Tattoo, ein kleiner Halbkreis unterhalb des Daumens, welches sich auf einer der Hände befindet,  ist auch auf der Hand der Künstlerin zu finden. Ebenfalls die detailgetreu gemalten Sneaker, welche unverkennbar der Marke Balenciaga zuzuordnen sind, dürften Douglas selbst gehören, wo sie doch selbst immer wieder für das Modehaus modelt. Jedoch ist sie nicht zu sehen. Die Körper sind abwesend. Es sind nur Attribute die uns auf etwas hinweisen und viel Platz für Spekulationen lassen.


Noch bis 28. Januar 2018 im Schinkel Pavillon zu sehen

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Achim Riethmann – GLOBAL

Was unternehme ich an einem Sonntag? Genau, ich gehe ins Museum. So bin ich auch während meines Sonntagsspazierganges durch Ulm an den Räumlichkeiten des Kunstvereins vorbei gekommen. Das Plakat der temporären Ausstellung fiel mir sofort ins Auge und ich habe spontan beschlossen noch einen kurzen Blick hineinzuwerfen – eine sehr gute Entscheidung. Ausgestellt sind leichte, fein gezeichnete Aquarelle, die in einem hellen Holzrahmen ausgestellt werden. Als Trennwände fungieren Holzgerüste, welche mit farbloser Folie bespannt sind. Ich habe mich sofort verliebt. Die Bilder entsprechen absolut meiner ästhetischen Vorstellung. Minimalistische Zeichnung, gedeckte Farben und filigrane Ausführung. Doch auf den zweitem Blick enthüllen die Aquarelle ihre nicht ganz so ästhetischen Motive. Gasmasken, Schutzanzüge und randalierende Menschenmassen sind zu sehen. Der in Berlin lebenden Künstler Achim Riethmann provoziert mit seinen Werken. Mit diesem Kontrast möchte er in erster Linie das Verhältnis von Mensch und Natur aufzeigen und in zweiter Linie auch die Folgen des menschlichen Handels in der Natur. Die dargestellten Figuren sind komplett aus dem Kontext gerissen worden und werden isoliert auf das Papier gebracht. Man frägt sich beim Betrachten: Was ist passiert? Es fehlen Bruchstücke des Motives und der Geschichte. Doch die Werke wirken keinesfalls unfertig, Riethmann hat sich einfach nur auf das Wesentliche konzentriert. Damit zeigt der Künstler dem Betrachter, dass seine Wahrnehmung nie vollständig sein kann. Die Wirklichkeit ist immer subjektiv.

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Achim Riethmann – GLOBAL
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Achim Riethmann – GLOBAL
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Achim Riethmann – GLOBAL
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Achim Riethmann – GLOBAL
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Achim – Riethmann – GLOBAL

Da der Besuch der Ausstellung so spontan war hatte ich leider nur eine Handykamera zur Verfügung, deswegen die mangelnde Qualität.

Die Ausstellung geht noch bis 26.03.17

weitere Informationen auf http://www.kunstverein-ulm.de

Ein Besuch im Lenbachhaus

Was machen Kunstgeschichtsstudenten wenn sie nichts vor haben? Richtig, sie gehen ins Museum. Als ich seit langem mal wieder einen Tag zur freien Verfügung hatte, habe ich also meine Kommilitonin eingepackt und mit ihr den Nachmittag im Lenbachhaus verbracht. Da meine Freundin sich normalerweise eher für Kunst vor dem 20 Jahrhundert interessiert, aber ich mich hingegen mehr für zeitgenössische Kunst begeistere, ist das Lenbachhaus ein guter Kompromiss für uns beide. Die Kunst des 19 Jahrhunderts, der Blaue Reiter, eine riesige Sammlung von Joseph Beuys bis hin zu Gegenwartskunst – alles ist vertreten.

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Dietmar Tanderl – Rot-Weiß-Rot – 2008

Bevor man zu den Ausstellungsräumen „Kunst nach 1945“ gelangt,  werden die Besucher von den warmen Farben einer Lichtinstallation empfangen. Die hochkantigen Leuchten unter mattiertem Acryglas scheinen zu schweben. In regelmäßigen Intervallen wechseln die Lampen ihre Farbe von Weiß zu einem fließenden Rot – Weiß – Rot. Dadurch wirkt das Treppenhaus beruhigt und gleichzeitig erweitert. Der erste Blick in die Ausstellungsräume für Kunst ab 1945 fällt direkt auf ein Gemälde von Asger Jorn. Für die Umgestaltung alter Bilder, die er auf dem Flohmarkt fand, ist er bekannt geworden.

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Asger Jorn – Modofications, zwei Pinguine – 1962
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Rubrecht Geiger – Rotbild – 1961
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Karin Sander – Mailed Painting 155

Dem Künstler Rubrecht Geiger und der Künstlerin Karin Sander werden jeweils ein ganzer Raum gewidmet. Geigers Bilder entwickelten sich aus der russischen Landschaft zu abstrahierten, geometrischen Farbflächen. Vor allem konzentriert er sich auf die Steigerung von Farbe und Farbkontrasten. Letztendlich hat sich die Farbe vom Gegenstand emanzipiert und repräsentiert nur noch sich selbst. „Man muss der Farbe helfen sich sichtbar zu machen“ – Rubrecht Geiger. Karin Sander hingegen bearbeitet ihre Bilder nicht selbst, sondern versendet sie per Post. Unbearbeitet Leinwände werden auf die Reise geschickt, um zu einem Kunstwerk zu werden.

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Wassiliy Kandinsky – Romantische Landschaft – 1911

Natürlich darf die Sammlung „Der Blauer Reiter“ nicht fehlen. Die Zeitgenossen Wassiliy Kandinsky, Franz Mark, Paul Klee und viele Weitere sind im Lenbachhaus vertreten.

Da vor kurzem Weihnachten war, konnte ich mir einen langersehnten Wunsch erfüllen. Von nun an sind alle Bilder mit meiner neuen Systemkamera Olympus E-M10 aufgenommen. Freut euch auf mehr 🙂