Upgrade für die Landschaftsmalerei

Landschaftsmalerei klingt erst einmal nicht besonders aufregend. Es ist ein Genre, mit dem wir Alte Meister und vergangene Epochen verbinden – nicht unbedingt die Werke einer jungen, zeitgenössischen Künstlerin. Doch Hell Gette schafft es das verstaubte Sujet wieder topaktuell werden zu lassen. Wie? Ganz einfach. Mit Emojis und Photoshop. Die Künstlerin bedient sich der digitalen Formensprache des 21. Jahrhunderts und kreiert damit Werke zum schmunzeln…

…den ganzen Text gibt es auf gallerytalk.net zu lesen!

WANN: Die Ausstellung ist noch bis zum 9. März zu sehen.
WO: Galerie Karl Pfefferle, Reichenbachstraße 47-49, Rückgebäude, 80469 München.

Foto: Installationsansicht © Hell Gette und Galerie Karl Pfefferle, Fotocopyright: Peter Langenhahn

In Stein gemeißelt – Fabio Viale

Am liebsten würde ich es anfassen. Ein bisschen dagegen klopfen. Nur um zu sehen ob es wahr ist. Fabio Viales Skulpturen bestehen aus Marmor aber der italienische Künstler lässt seine Oberflächen einfach verblüffend authentisch erscheinen. Egal ob Holz, Gummi oder Plastik – der Künstler kreiert mit seinen Kunstwerken täuschend echte Nachbildungen von gewöhnlichen Alltagsobjekten und bekannten Statuen. Im Gegensatz zu ihrer äußeren Form sind die Proportionen der Skulpturen ganz und gar nicht realistisch. Zu sehen sind lebensgroße Dübel und fragil wirkende Obstkisten, die jedoch aus massivem Marmor bestehen und einen starken Kontrast zu den antiken Statuen in der Glyptothek bilden.

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Fabio Viale
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Fabio Viale

Inmitten der Dauerausstellung positionieren sich die unkonventionellen Marmorstatuen Viales, die die Betrachtenden zweimal hinsehen lassen. Neben seinen Alltagsgegenständen befinden sich auch Werke, deren Vorbilder sich in der Kunstgeschichte wiederfinden. Viales Venere Italica wirkt auf den ersten Blick wie eine Nachbildung des berühmten Originals von Antonio Canova, jedoch mit einem großen Unterschied – sie ist tätowiert. Über Schultern, Rücken und Gesäß spannt sich ein großes Gemälde, welches an die Tattoos der japanischen Mafia erinnert. Dabei bringt der Künstler das klassische Thema der Venus pudica, die perfekte Schönheit, die sich im Moment der Entblößung befindet, in Zusammenhang mit kriminellen Untergrundorganisationen und betrachtet somit die gesellschaftliche Stellung der Körperkunst kritisch.

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Fabio Viale

Fabio Viale, ein Künstler der Täuschung, spielt mit unseren Erwartungen und Sehgewohnheiten. Die Ausstellung “In Stein gemeißelt” ist noch bis zum 30. September in der Glyptothek zu sehen und ist einen Besuch wert für jeden, der sich gerne wundert.

WANN: bis zum 30. September 2018
WO: Glyptothek, Königsplatz 3, 80333 München

Klebebande gestaltet Art Cube

Mit Klebeband packe ich hauptsächlich Geschenke ein aber es gibt auch eine bessere Verwendung dafür! Nur mit Tape gestaltet ein Berliner Kollektiv  großformatige Wandgemälde, dreidimensionale Gebilde und ganze Raumkonzepte. Die Klebebande (wie sollten sie auch sonst heißen) hat die Vorteile von Tape für sich entdeckt. Es ist geruchlos, leicht zu entfernen und schnell zu verwenden. In München ist bereits seit einigen Wochen ein großformatiges Werk von ihnen zu entdecken, welches sich am Eingang des Le Méridien befindet. Nun haben sie auch dem MUCA einen geklebt – einen Art Cube.

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„Kleben und Kleben lassen“ Klebebande

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In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Uhrenhersteller Oris haben sich die Künstler einige Gedanken zum Thema Zeit und Raum gemacht. Wie könnte man solche abstrakten Begriffe visualisieren? Um das umgesetzte Konzept ganz zu erkennen, sollte man unbedingt alle Seiten des Cubes betrachten. Auf der Rückseite sind strukturierte Linien zu erkennen, die sich auf der Vorderseite in einem Wurmloch bündeln. Nur mit Hilfe des Klebebands wird dabei ein sehr ästhetischer, visueller Eindruck erzeugt. Der ganze Cube ist begehbar und ebenfalls von Innen eindrucksvoll beklebt. Zudem ist der Cube nach einem berühmten, architektonischen Vorbild gestaltet – dem Pantheon in Rom, was sich am Loch in der Decke erkennen lässt.

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Werk des Künstlers Stohead in der aktuellen Ausstellung
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Mural von Said Dokins auf dem MUCA Gelände


Der Art Cube befindet sich auf dem Gelände des MUCA, wo er sich perfekt neben den ebenfalls von Künstlern gestalteten Fassaden einfügt. Auch ein Blick ins Museum ist zu empfehlen, denn das MUCA hat seine Umbauarbeiten fast abgeschlossen und ist zu einem Traum aller Streetartliebhabenden geworden. Wer nach dem Besuch hungrig geworden ist kann einen kurzen Abstecher ins MURAL machen – das neueröffnete Restaurant überzeugt mit super leckerem Essen!

Der Art Cube ist noch bis zum 31. August vor dem MUCA zu sehen.

 

Atelierhäuser, Architektur und Kunst

Auch abseits des Museumsareals, der Galerien und Sehenswürdigkeiten gibt es in München einiges zu entdecken. Nur woher bekommt man die Insider Tipps und Zugänge zu etwas versteckten Orten? ARCHITEKTUR UND KUNST Touren können einem da weiter helfen. Zwei Kunsthistorikerinnen und eine Architektin vereinen meine zwei Lieblings Themengebiete – Architektur und Kunst. Seit über zwei Jahren bieten die drei Expertinnen Führungen an, die das Zusammenspiel der beiden Themen genauer untersuchen. Bereits 15 Touren haben sie organisiert und in der Juli Tour 2017, die unter dem Thema „Atelierhäuser, Architektur und Kunst“ stand, durfte ich auch dabei sein.

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Atelier Rosa
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Atelier Rosa

Unser erster Halt war das Atelier Rosa. Niemals hätte ich einen solchen beeindruckenden, modernen Bau inmitten einer (sehr) ruhigen Wohngegend vermutet. Beton, Licht und Glas. Meine drei Lieblings Merkmale eines modernen Baus lassen sich hier wiederfinden – nur diese drei Merkmale. Zwei gegenüberliegende, große Glasfronten ziehen sich über die zwei Stockwerke des Gebäudes. Die restlichen Wände, sowie die Treppe und das Boden bestehen aus Beton. Beton-Minimalismus beschreibt den Raum wirklich perfekt. Das Atelier wurde zum arbeiten gebaut und wurde als Arbeit gebaut, denn der skulpturale Charakter ist sehr präsent und prägt das Gebäude – es ist ein Raumkunstwerk.

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Atelier Maria Wallenstal-Schoenberg
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Atelier Hauchun Kwong

Nachdem wir mit zwei Taxis zu unserer zweiten Station gefahren wurden, befanden wir uns vor den Domagkateliers. Hier befinden sich 95 Ateliers in einem alten Militärgebäude. Davon durften wir vier näher betrachten. Ein starkes Kontrastprogramm zu dem einsamen Atelier Rosa. Maria Wallenstal-Schoenberg, Yonbo Zhao, Hauchun Kwong und Yoshiyuki Miura haben uns den Ort ihres kreatives Arbeiten gezeigt. Intime Einblicke wurden uns geboten, als wir die einzelne Ateliers und ihre KünstlerInnen kennenlernen durften. Jeder Einzelne gestaltete und nutzt seinen Raum unterschiedlich. Teilweise ist es sehr wohnlich eingerichtet, andere Ateliers wiederum haben einen Werkstattcharakter. Die Individualität zeigt sich deutlich – auch wenn die Künstler hier vor allem die Gemeinschaft schätzen.


Weitere Informationen zu

ARCHITEKTUR UND KUNST eine Kooperation von FILOMELE, Sammlung Goetz und guiding architects munich

Im Herbst wird es weitere Führungen geben! 🙂

 

Gift Horse – Hans Haacke

Monumental. Alleine dieses Adjektiv beschreibt das „Gift Horse“ von Hans Haacke perfekt in einem Wort. Monumental ist auch die Eingangshalle des Hauses der Kunst. Es gibt wohl fast keinen besseren Ort um die beeindruckende Plastik in einem musealen Kontext zu zeigen. Als das Kunstwerk 2015 in London enthüllt wurde war dessen Platz noch der Skulpturensockel „Fourth Plinth“ am Trafalgar Square. Während der Finanzkrise ein solches Kunstwerk zu enthüllen entfachte damals hitzige Debatten über nötige (oder weniger nötige) Ausgaben der Stadt, sowie auch über die sozialen und politischen Verhältnisse weltweit. Das Pferdeskelett, welches auf einer Radierung des englischen Malers Georg Stubbs basiert, wurde mit einem ekletrischen Laufschriftband versehen. Dort liefen ursprünglich minütlich aktualisierte Aktienkurse aus London, welche in Deutschland durch die Frankfurter Börse ersetzt wurde.

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„Ob Gift Horse nun ein Denkmal oder ein Mahnmal ist – betrachten Sie es vielleicht einfach als meine Referenz an die City, die Wallstreet von London.“ – Hans Haacke

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Hans Haacke hat mit seinem „Gift Horse“ direkt Bezug auf ein nie ausgeführtes Reiterdenkmal genommen. Vor ungefähr 180 Jahren wollte sich König Wilhelm IV. eigentlich auf dem „Fourth Plinth“ verewigen – doch sein Vorgänger hatte bereits alles Geld aus dem Fenster geworfen. Das Zusammenspiel von Reichtum und imperialer Geschichte wird in dem Kunstwerk deshalb besonders verdeutlicht und ist eine besonders eindrucksvolle Visualisierung von Macht. Vielleicht passt es deswegen so gut in das Haus der Kunst, das ebenfalls einen geschichtsträchtigen Hintergrund besitzt. Thematisch ist das Werk immer noch top aktuell und auf alle Fälle einen kurzen Abstecher in die große Halle des Museums wert (die man auch ohne Ticket besuchen kann).

weitere Informationen

bis zum 20. August 2017 im Haus der Kunst zu sehen

LoftCube

Nein es ist kein Ufo. Auch wenn man es auf den ersten Blick denken könnte. Der nette Sicherheitsmann vor Ort erklärte mir was es sein soll: die Zunkunft. Ja diese kleine frei stehende Moduleinheit, die sich momentan vor der Pinakothek der Moderne befindet, soll unsere Wohnkultur verändern, zum Besseren versteht sich. Vor ein paar Wochen stand der LoftCube plötzlich  im Museumsviertel. Ich bin schon oft daran vorbei gelaufen und habe mich gefragt, was es eigentlich damit auf sich hat. Besichtigen kann man ihn nur Sonntags von 15 bis 18 Uhr und endlich ich habe es geschafft mir das ganze mal näher anzusehen. Auf vier Stützen schwebt der moderne, weiße LoftCube über den Boden und wird über eine hölzerne Treppe betreten. Der Innenraum – es existiert nur ein Raum – ist sehr schlicht gehalten. Nur ein paar Schränke, ein Tisch und Stühle befinden sich dort. Ich habe mir im Vorfeld wilde Dinge überlegt die sich darin befinden könnten und werde ein bisschen enttäuscht. Besondere Designer Möbel oder eine winzige Wohnung mit Küche und Bad hätten dort sein können. Aber es geht dabei ja vor allem um das Konzept bei diesem Ausstellungsstück. Werner Aisslinger heißt der Designer des LoftCubes. Er will damit ein mobiles Heim schaffen, das in nur 2 Tagen aufgebaut ist und sich in nur wenigen Stunden schon wieder an einem anderen Ort befinden kann. Damit kann der Besitzer des Würfels eine Woche auf dem Dach eines Hochhauses wohnen und die nächste Woche in den Berge aufwachen. Die Wohnung wird zum praktischen Rucksack, der auch noch gut aussieht.  Es ist eine Idee, welche auch schon in der Weißenhof Siedlung behandelt wurde –  der eine perfekte, funktionale und minimalistische Wohnraum. Werner Aisslinger hebt dieses Konzept nun auf eine neue Ebene, indem er diesen Wohnraum auch noch mobil macht. Das Konzept ist ihm gelungen, aber ob es sich in der realen Welt durchsetzt wird werden wir sehen, denn die Idee existierte schon in den 60ern. Matti Suuronen entwickelte ähnliche mobile Wohneinheiten, mit dem „Futuro house“ allerdings eine Version, die die Marsmenschen und alle anderen UFO-Bewohner noch glücklicher macht.

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LoftCube – Werner Aisslinger
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LoftCube – Werner Aisslinger

størpunkt Themed competition 2017 – Flight into unknown

Die Galerie størpunkt, unter der Leitung von Stephan Stumpf, ist in München unter anderem für ihre jährliche „Themed competition“ bekannt. Im Rahmen eines offenen Kunstwettbewerbes  werden 10 Künstler/innen ausgesucht, welche einen Monat lang in der Galerie ausgestellt werden. Das Thema dieses Jahres ist (wie kann es auch anders sein) die Flucht. „Welche Spuren hinterlassen Grenzüberschreitungen und Heimatverlust sowie die derzeit geführte Flüchtlingsdebatte in der zeitgenössischen Kunst?“ – Zitat størpunkt. Die Auseinandersetzung der Künstler/innen mit dem Thema kann vom 20.01.2017 bis zum 24.02.2017 in der Galerie betrachtet werden.

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MarinA – A.M. A Matter of balnce between A and M – 2016.
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MarinA – AM. A Matter of balance between A and M – 2016

Ein lautes unangenehmes, schabendes Geräusch, beige Kleidung und Frauen in barfuß. Die Vernissage wird von einer Performance des Künstlerinnen Duos MarinA eröffnet. Zwei Frauen stehen auf jeweils zwei hölzernen Böcken. Sie drücken sich vorwärts. Dabei entsteht ein Geräusch wie – ja wie Holz, das über rau geschliffenen Boden schabt. Nach ein paar Minuten stehen beide Frauen hintereinander nurnoch auf zwei Böcken. Gemeinsam arbeiten sie sich durch die Zuschauer Menge. Sie bleiben emotionslos, doch man kann ihre Anstrengung förmlich spüren. „A.M. A Matter of balance between A and M“ heißt ihre Performance, in der sie sich ihren mühevollen Weg durch Hindernisse bahnen. Sie stellen sich die Frage, wie viel der Mensch auf seinem Lebensweg mental, wie auch physisch aushalten kann. Der menschliche Wille wird untersucht und strapaziert.

Das erste Kunstwerk, welches uns beim Eintreten in die Galerie begegnet, ist von Fakhri Bismanto Bohang. In einer Serie unter dem Namen „More than Biometrics“ fertigt, der gebürtige Indonesier, Porträts von Geflüchteten an. Seine Bilder sollen auf den ersten Blick wie klassische biometrische Passbilder aussehen, doch auf den zweiten Blick offenbaren sich Emotionen und kleine Details, die dem Geflüchteten wieder Individualität zuschreiben.

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Fakhri Bismanto Bohang – More than biometrics – 2016
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Gemälde von Ana Pusica
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Arne Kalkbrenner – Sans-Papiers – 2016
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Frenzy Höhne – Fahne Hoch – 2016
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Dominik Bais & Rupert Jörg – Je suis refugee -2016
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Dominik Bais & Rupert Jörg – Je suis refugee – 2016

Vor allem das Konzept der Künstler Dominik Bais und Rupert Jörg beeindruckte mich. Sie bewerten analytisch drei Kunstwerke, welche sich alle mit der Flüchtlingsproblematik auseinandersetzten. Die Werke von Ai Wei Wei, Vic Munzi und John van der Reest wurden mit Hilfe von inhaltlichen, formalen und wirtschaftlichen Faktoren untersucht und dann einzeln mit einem 5-Sternesystem bewertet. So ergeben sich unterschiedliche Punktzahlen für die einzelnen Kunstwerke, zum Beispiel je nach dem wie viele Geflüchtete zu sehen sind oder welche Farben benutzt wurden. Dem damit erreichte Durchschnittswert eines untersuchten Faktors wird ein hierarchisch bestimmter Farbwert zugeordnet. Daraus entsteht für jedes untersuchte Kunstwerk ein neues Bild mit sechs unterschiedlichen Farben, für jede untersuchte Kategorie eine. Die Farben wurden auf drei unterschiedlich wertvollen Steinen aufgetragen, um auch hier eine Hierarchie darzustellen. Ai Wei Wei ist dabei der „Gewinner“ der Analyse und wird auf dem teuersten Stein dargestellt.Die Konzeptkünstler Dominik Bais und Rupert Jörg wollen damit ironisch diskutieren, wie Künstler Profit aus dem Leid der Fliehenden schlagen und so ihren persönlichen Marktwert erhöhen.  Es erinnert mich auch an einen Spiegel unserer momentanen Gesellschaft. Alles muss analysiert und verglichen werden. Die Geflüchteten sind zu einer anonymen Masse geworden und werden nur mit Zahlen bewertet. Wie auch Bohang in seinen Werken feststellt, geht die Individualität verloren. Die Problematik hat auch Arne Kalkbrenner mit seinen sans-papiers Plastiken behandelt. Noch weitere interessante Künstler erwarten den Besucher, wie Frenzy Höhne, die sich mit dem Motiv der Flagge kritisch auseinander setzt. Doch ich möchte nicht zu viel vorweg nehmen – Ein Besuch in der Galerie størpunkt lohnt sich! 🙂

Zu sehen 20.01.2017 bis 24.02.2017